Gentests - Geissel der wissenschaft?

Schon vor vielen Jahren haben sich Labors wie Laboklin in Deutschland oder Optigen in den USA zum Ziel gesetzt bekannte Erbkrankheiten der Rassen zu entschlüsseln um diese in der Zukunft irgendwann züchterisch in den Griff zu bekommen und langfristig nur noch Hunde in der Zucht zu haben die frei dieser Defekte sind.

 

Als ich vor mehr als 10 Jahren meine Golden Retriever Hündin auf eine Augenerkrankung namens prcd-PRA testen liess, war ich eine von wenigen in Europa. Selbst die damalige Zuchtwartin hat mein Bemühen nur belächelt und das Testergebnis herunter gespielt.

Mir war es wichtig zu wissen wie der Genstatus meiner Hündin ist um nicht unwissentlich zwei Trägertiere miteinander zu verpaaren.

 

Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet und es gibt aktuell unzählige Gentests für die verschiedenen Hunderassen und was zuvor noch oftmals unter den Tisch gekehrt wurde, wird heutzutage immer relevanter.

 

Es nimmt gar verrückte Formen an, indem gute Rüden mit viel Potenzial für die Zucht aufgrund eines Trägerstatus in einem dieser unzähligen Gentests quasi gemieden und ausselektiert werden.

Dies halte ich für ein sehr gefährliches Vorgehen denn der Verlust von Genmaterial kann niemals Ziel der Gentests gewesen sein.

 

Einige meiner Hündinnen weisen ebenfalls Trägerstatus in dem einen oder anderen Gen auf - dies bedeutet allerdings nicht dass sie dadurch weniger interessant oder wichtig sind für meine Zucht. Es bedeutet lediglich dass ich als Züchterin meine Hausaufgaben machen muss und Rüden auswähle die in dem selben Gen frei, also N/N Status aufweisen.

 

Manchmal ist es durchaus interessant, einen Wurf noch beim Züchter testen zu lassen um sich in weiterer Folge einen N/N Nachkommen aus einer bestimmten Verpaarung zu ziehen. Ich würde aber im Zweifelsfall nie die Entscheidung von einem Gentest alleine abhängig machen.

 

Nachfolgend möchte ich die wichtigsten bzw beim Labrador relevantesten Gentests kurz auflisten. Dies sollte Welpenkäufern einen kurzen Einblick in die Thematik geben, denn immer noch sind nicht alle dieser Gentests vom Club her gesehen verpflichtend wodurch Welpenkäufer dann oft in eine Falle tappen denn viele Züchter listen lediglich die freien Gentestergebnisse auf, die in denen der Hund jedoch Trägerstatus aufweist werden dann oft nicht angeführt.

 

Grundsätzlich kann ein Hund folgenden Status haben:

 

FREI oder auch als N/N oder CLEAR bezeichnet: Dieser Hund trägt die Erbanlage nicht. Er wird sowohl weder selber erkranken, noch kann er sie an seine Nachkommen weitervererben.

 

TRÄGER oder auch als N/xy oder CARRIER bezeichnet: Dieser Hund ist Träger in einer Erbanlage. Er kann somit nicht selbst daran erkranken aber mit einem anderen Träger zu 25% kranke Welpen hervorbringen.

 

KRANK oder auch als xy/xy oder AFFECTED bezeichnet: Dieser Hund wird selbst an der Krankheit erkranken und diese auch zu 100% an seine Nachkommen weitergeben. Solche Hunde sollten nur mit N/N Deckpartnern in der Zucht eingesetzt werden!

 

 

Hier nun die häufigsten Erbkrankheit beim Labrador Retriever:

 

prcd-PRA - progressive Retinaatrophie (Netzhautablösung) die meist in einem späteren Alter zur vollkommenen Erblindung führt

EIC - Exercised Induced Collaps, diese Hunde zeigen eine akute Hinterhandschwäche bis hin zu einer Lähmung der Extremitäten bei starker Anstrengung

CNM - Centralnuclear Myopathie bei der die Entwicklung der Muskelfasern gestört ist und sich rasch in Bewegungsstörungen zeigt

SD2 - Zwergwuchs bei dem sich die Wachstumsfugen in den Beinen zu schnell schliessen und die Hunde zu kurze Extremitäten aufweisen

HNPK - Hauterkrankung des Nasenspiegels - schmerzhaft für den Hund

RD - Retinadysplasie - ebenfalls zur Erblindung führende Augenerkrankung

STGD_PRA - Stargardt PRA stellt den momentan neuesten Gentest dar - es handelt sich um eine Augenerkrankung die ebenfalls zu Erblindung führen kann

 

 

Leider sehen viele Züchter diese Gentests immer noch als Geldverschwendung und Geissel der Pharmaindustrie an. Auch ich bin natürlich nicht begeistert meine ganzen Zuchttiere bei Neuerscheinung eines Gentests durchzutesten, denn immerhin kosten diese viel Geld und könnten natürlich nachträglich unerfreuliche Dinge aufdecken.

 

Vom Zuchtverband her, ist nur ein einziger Gentest Pflicht, den beide Zuchtpartner haben müssen (prcd-PRA), bei weiteren 3 muss zumindest ein Zuchtpartner frei getestet sein (CNM, EIC, HNPK) für alle anderen (SD2, RD, STGD-PRA,....) gibt es keine Vorschrift. Hier würde theoretisch das österreichische nationale Tierschutzgesetz greifen, welches besagt, dass keine Verpaarungen durchgeführt werden dürfen, bei deren Nachkommen mit Schmerzen, Leiden etc zu rechnen ist.

 

Fazit: Die Rassehundeclubs geben eine Rahmenbedingung vor, innerhalb der sich ein eingetragener Züchter bewegen kann. Das Tierschutzgesetz gibt vor, dass Verpaarungen bei denen mit kranken Tieren zu rechnen ist (25% AFFECTED bei Anpaarung zweier Trägertiere) verboten ist.

 

Unser Weg: Wir lassen alle unsere Zuchttiere auf die wichtigsten Gentest untersuchen. Diese sind transparent auf unserer Website ersichtlich und werden NICHT verheimlicht. Wir werden über die Zeit versuchen uns aus Trägertieren, freie Nachkommen zu behalten - aber nur zweitrangig wenn wir zwischen zwei gleichwertigen Welpen aussuchen können. Wir werden NIE nur deshalb einen Welpen behalten weil er im Gentest clear ist, bzw auch weiterhin KEINE Trägertiere von der Zucht ausschliessen oder einen Deckrüden verschmähen der in Sachen, Wesen und Arbeitsleistung passt nur weil er Träger in xy ist.

 

ALL unsere Welpen werden maximal Träger von einer Erbkrankheit sein und wir werden bei Aufkommen neuer Gentests weiterhin diese sofort in unser Zuchtprogramm aufnehmen, wenn wir sie für wichtig erachten.

 

 

 

 

 

 

Kontakt:

 


Unsere Zuchtstätte ist beim Veterinäramt  gemeldet und ohne Beanstandung kontrolliert worden! Unser Zwingername ist bei der FCI Registriert und ALL unsere Welpen bekommen FCI/ÖKV/ÖRC Papiere.